Karte Chinas während der Fünf Dynastien (907-960)
Die Karte Chinas während der Fünf Dynastien 907–960 Die Zeit der Fünf Dynastien und Zehn Königreiche zählt zu den turbulentesten Kapiteln der chinesischen Geschichte. Nach dem Zusa
Die Karte Chinas während der Fünf Dynastien (907–960)
Die Zeit der Fünf Dynastien und Zehn Königreiche zählt zu den turbulentesten Kapiteln der chinesischen Geschichte. Nach dem Zusammenbruch der mächtigen Tang-Dynastie (618–907) zerfiel das Reich in eine Vielzahl rivalisierender Staaten. Wer sich heute auf eine Reise durch China begibt und historische Stätten besucht, stößt immer wieder auf die Spuren dieser faszinierenden Epoche. Dieser Artikel bietet einen Überblick über die politische Geographie jener Zeit – und erklärt, warum das Wissen um diese Karte auch für moderne Reisende in China bereichernd ist.
Vom Zerfall des Tang-Reiches zur neuen Staatenwelt
Die Tang-Dynastie war über Jahrhunderte das dominierende Reich Ostasiens – ein Zentrum von Kultur, Handel und Macht mit der Hauptstadt Chang'an (dem heutigen Xi'an). Doch interne Machtkämpfe, Aufstände und wirtschaftliche Schwierigkeiten schwächten das Reich zunehmend. Im Jahr 907 setzte der Militärgouverneur Zhu Wen den letzten Tang-Kaiser ab und gründete die Spätere Liang-Dynastie. Dieses Ereignis markiert den Beginn der Fünf Dynastien.
Wichtiger Hinweis für Reisende: Viele der Orte, die Sie heute in China besuchen können – von Xi'an über Kaifeng bis Hangzhou – waren bereits in dieser Zeit bedeutende politische oder kulturelle Zentren. Ein Blick auf die historische Landkarte hilft Ihnen, die Entwicklung dieser Städte besser zu verstehen.
Die Fünf Dynastien: Eine Abfolge kurzlebiger Reiche
Der Begriff „Fünf Dynastien“ bezieht sich auf fünf aufeinanderfolgende Herrscherhäuser, die zwischen 907 und 960 den Anspruch auf die legitime Nachfolge des Tang-Reiches erhoben. Sie kontrollierten jeweils den Norden Chinas, insbesondere die fruchtbare Ebene des Gelben Flusses. Diese Region umfasst heute Provinzen wie Henan, Shaanxi und Hebei.
Die fünf Dynastien im Überblick:
- Spätere Liang-Dynastie (907–923): Gegründet von Zhu Wen mit der Hauptstadt Kaifeng.
- Spätere Tang-Dynastie (923–936): Ursprünglich türkisch-stämmige Herrscher, die die Hauptstadt nach Luoyang verlegten.
- Spätere Jin-Dynastie (936–947): Von Shatuo-Türken gegründet, die sich eng an die nördlichen Khitanen anlehnten.
- Spätere Han-Dynastie (947–951): Ebenfalls Shatuo-geführt und eine der kürzesten Dynastien der chinesischen Geschichte.
- Spätere Zhou-Dynastie (951–960): Die letzte der Fünf Dynastien, deren Militärkommandeur schließlich die Song-Dynastie begründete.
Für Reisende bedeutet dies: Wenn Sie durch Nordchina reisen, etwa nach Luoyang oder Kaifeng, wandeln Sie buchstäblich auf den Spuren dieser wenig bekannten, aber hochspannenden Epoche.
Die Zehn Königreiche: Blüten im Süden
Während der Norden von den Fünf Dynastien beherrscht wurde, entstanden im Süden Chinas zehn unabhängige Königreiche. Diese Staaten profitierten von der relativen Stabilität abseits der nordchinesischen Kriege und entwickelten sich zu Zentren von Kultur und Handel.
Zu den bedeutendsten Zehn Königreichen zählten:
- Wu (902–937) und Südliches Tang (937–975): Im Gebiet des unteren Jangtse, mit Zentren in Nanjing und Nanchang.
- Wuyue (907–978): Im heutigen Zhejiang, mit der Hauptstadt Hangzhou – ein Vorläufer der späteren Pracht dieser Stadt.
- Min (909–945): Im heutigen Fujian.
- Südliches Han (917–971): Im heutigen Guangdong und Guangxi.
- Früheres und Späteres Shu (907–925 und 934–965): Im heutigen Sichuan, mit der Hauptstadt Chengdu.
- Jingnan (924–963): Ein kleines, strategisch wichtiges Gebiet am Jangtse.
- Chu (907–951): In Teilen des heutigen Hunan und Guangxi.
Für Reisende in Südchina ist diese Geschichte besonders lebendig: Hangzhou, Chengdu, Nanjing oder Guangzhou waren einst Hauptstädte dieser eigenständigen Reiche – ein faszinierendes Detail, das viele Stadttouren bereichert.
Die politische Geographie: Eine Karte der Fragmentierung
Die Karte Chinas während der Fünf Dynastien zeigt ein Mosaik aus wechselnden Grenzen. Im Norden konkurrierten die kurzlebigen Dynastien mit dem mächtigen Reich der Khitanen (der Liao-Dynastie), die weite Teile der heutigen Inneren Mongolei und der Mandschurei kontrollierten. An der Nordgrenze entstanden zudem mehrere Pufferstaaten, die geschickt zwischen den Großmächten lavierten.
Die wichtigsten geographischen Eckpunkte der Epoche:
- Zentralgebiet: Die Ebenen um den Gelben Fluss in Henan und Shaanxi – Kernland der Fünf Dynastien.
- Jangtse-Delta: Ein Zentrum des Handels und der Kultur, beherrscht von Wu und Süd-Tang.
- Südwesten: Das Sichuan-Becken mit seinem fruchtbaren Land, regiert von den Shu-Königreichen.
- Südostküste: Das bergige Fujian, wo sich das Königreich Min etablierte.
- Weite Grenzregionen: Die Liao-Dynastie im Norden sowie die Tibeter und andere Völker im Westen und Südwesten.
Diese Fragmentierung hatte tiefgreifende Folgen: Währungen, Gesetze und Verwaltungssysteme unterschieden sich von Staat zu Staat. Gleichzeitig förderte der Wettbewerb den kulturellen Austausch – ein Erbe, das sich bis heute in regionalen Differenzen Chinas widerspiegelt.
Vom Umbruch zur Einheit: Die Song-Dynastie
Im Jahr 960 übernahm der General Zhao Kuangyin die Macht im Norden und begründete die Song-Dynastie. Schrittweise unterwarf er die einzelnen Königreiche – bis 979 war China weitgehend wiedervereinigt. Die Song-Dynastie sollte Jahrhunderte der kulturellen Blüte und wirtschaftlichen Innovation erleben, mit einer neuen Hauptstadt in Kaifeng und später in Hangzhou.
Die Fünf Dynastien und Zehn Königreiche waren damit beendet, doch ihre Geschichte blieb nicht folgenlos. Viele Verwaltungsstrukturen, Handelswege und kulturelle Traditionen aus jener Zeit flossen in die Song-Ära ein.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Frage: Welche heutigen chinesischen Städte waren während der Fünf Dynastien von Bedeutung? Antwort: Besonders Luoyang und Kaifeng im Norden sowie Hangzhou, Nanjing, Chengdu und Guangzhou im Süden waren wichtige Hauptstädte oder Handelszentren dieser Epoche.
Frage: Wie unterscheidet sich die Fünf-Dynastien-Zeit von der Drei-Königreiche-Zeit? Antwort: Die Drei-Königreiche (220–280) waren eine frühere Periode, die direkt auf das Ende der Han-Dynastie folgte. Die Fünf Dynastien (907–960) entstanden hingegen nach dem Zusammenbruch der Tang-Dynastie und umfassten weit mehr Staaten.
Frage: Gibt es heute noch sichtbare Bauwerke aus dieser Zeit? Antwort: Es sind nur wenige oberirdische Bauten aus dieser Epoche erhalten. Wichtiger sind archäologische Stätten und Museumssammlungen – etwa in Xi'an, Luoyang, Kaifeng oder Hangzhou. Viele Tempel und Pagoden der Song-Zeit stehen jedoch auf Fundamenten älterer Bauten aus den Fünf Dynastien.
Fazit: Geschichte verstehen, Gegenwart erleben
Die Karte Chinas während der Fünf Dynastien (907–960) ist weit mehr als ein historisches Dokument – sie ist ein Schlüssel zum Verständnis der regionalen Vielfalt Chinas. Wer durch das heutige China reist, begegnet dieser Vielfalt überall: in der Küche, in den Dialekten, in lokalen Traditionen. Wer die Geschichte der Fragmentierung kennt, versteht besser, warum sich diese Regionen so unterschiedlich entwickelten und dennoch eine gemeinsame kulturelle Identität teilen.
Ob in den Gassen von Hangzhou, den Museen von Chengdu oder den historischen Stätten von Luoyang: Die Erinnerung an die Fünf Dynastien und Zehn Königreiche lebt fort. Ein Blick auf die alte Landkarte lohnt sich daher nicht nur für Geschichtsinteressierte, sondern für alle, die China in seiner ganzen Tiefe erleben möchten.
